Was bewegt uns drei Jungs mit Mitte 30 mit uralten Blechrollern nach Rom fahren zu wollen? Kann es der Wunsch nach Entschleunigung sein? Die Flucht vom digitalen Arbeits-Alltag? Die Sehnsucht nach Abenteuer in unser verweichlicht, digitalen Welt, in der die gefährlichsten Auswüchse gerade mal einen Eimer Eiswasser darstellen?  Ich glaube jeder von uns hat seine ganz eigen Ambitionen des Antriebs. Meiner ist eine Art Mischung aus allen.

Samstag 8.00 Uhr morgens am Isartor. Während die Stadt gerade aufwacht und zu leben beginnt, treffen sich drei Vespafahrer für das Startschuss-Foto einer Rollertour. Die Sonne scheint und wir erhoffen uns gutes Wetter. Wir wollen von München nach Rom, was bedeutet: Eine Fahrt ins Ungewisse, abhängig von Mensch und Maschine. Wobei hier das Wort “Maschine” sehr optimistisch klingt. Es geht schließlich um drei Vespas Baujahr 1959, 1965, 1982 mit ihren knatternden Zweitakt Mini Motoren. Die Sonne stimmt uns positiv, denn es ist natürlich auch nicht sicher, was das Wetter auf der Route mit uns vor hat. Sogar die tägliche Route oder Übernachtung steht in den Sternen, es lässt sich schwer planen, wie weit man pro Tag kommt. Wir fahren erst mal los! Schließlich wollen die 1300 km über kleine Straßen und Dörfer auch irgendwie geschafft werden.   Etappe-1_typo

Abfahrt Richtung Süden

Das Haupt-Problem auf unserer Tour ist es, den richtigen Weg zu finden. Mit unseren Mopeds wollen wir jede größere Straße meiden. Keine Autobahn, keine große Umgehungs- oder Landstraße. Es soll mitten durch gehen, über kleine Sträßchen und winzige Dörfer. Der Weg ist das Ziel. Wir duckern durchs Voralpenland dem Bergpanorama entgegen, über Bad Tölz zum Achensee.

Achensee

Gesamtstrecke: 83,08 km
Zeit in Bewegung: 2:03:50
Durchschnittliche Geschwindigkeit in Bewegung: 40,25 km/h

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Über die Alpen

Eine echte Hürde sind die Alpen. Hier wird die Maschine gefordert, und das unberechenbare Wetter verlangt dem Fahrer den Rest ab. Es ist beeindruckend dieses Felsmassiv einmal anders, als über die Autobahn oder Flugzeug, zu überwinden. Es wird einem bewusst wie es Jahrhunderte schwierig war, hier durch zu kommen. Man fühlt sich in der Zeit zurück versetzt. Zwar nicht so weit wie Hannibal mit seinen Elefanten, auch wenn die Reisegeschwindigkeit den Vergleich zulässt. Aber schon die 50er und 60er Jahre, als zu der Zeit der alte Brennerpass für die Luftgekühlten Motörchen, noch ein “erfahrbares” Abenteuer darstellte. Zu unserer Überraschung ist der Pass gar nicht so steil wie erwartet. Es geht gemächlich bergauf, bis auf ein bis zwei stärkere Steigungen. Hier senkt sich die Durchschnittsgeschwindigkeit noch mal ordentlich. Diese auferlegte Entschleunigung lässt einem genug Zeit, einmal die Berge rechts und links beim vorbeiziehen genauer zu betrachten und in Gedanken an Hannibals Zeit zu schwelgen.

“Sterzing”

Gesamtstrecke: 92,11 km
Maximale Höhe: 1423 m
Minimales Gefälle: -24 %

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Der schönste Umweg

Da es nach der Pause am Brenner jetzt den Talverlauf immer bergab geht, erreiche ich hier mit der VBA Baujahr 1959 sagenhafte 76 km/h. Rekord! Aber das eigentliche Highlight dieser Etappe war die absurdeste Abkürzung, die unser Navi für uns bereit hielt. Da moderne Stadtplanung keinen Besuch mehr in Innenstädten und Dorfzentren vorsieht, kämpfen wir mit der Beschilderung, die immer auf Umgehungsstraßen und um die schönen Dörfer herum führt. Eine Abhilfe ist hier Uli’s Uralt-Navi, welches das einzige ist, bei dem sich in den Einstellungen Autobahnen UND Schnellstraßen meiden lassen, so schaffen wir es auf kleinen Straßen zu bleiben. Allerdings Das Navi führt uns nicht unten am Tal entlang, sondern an den seitlichen Hängen, was eine wunderschöne Route mit Blick ins Tal darstellt.

Kurz von Rovereto biegen wir ab, um noch einmal 1000 Höhenmeter nach oben zu fahren. Das ganze hätte man auch entspannt im Tal unten entlang fahren können. Aber unsinnige Straßen vermeiden, kann das Navi dann auch nicht. So wurden wir gezwungen den wahrscheinlich unbekanntesten Bergpass dieser Gegend zu entdecken. Es kam uns tatsächlich kein einziges Fahrzeug, nicht einmal ein Fahrradfahrer entgegen. Unzählige Kehren führen uns nach oben zu einem Castello, an den breitesten Stellen würde vielleicht ein Fiat 500 gerade so auf den Weg passen. Doch die einspurige Stecke ist wenigstens geteert, menschenleer und bietet atemberaubende Ausblicke. Bei der Abfahrt kämpfen wir mit nassem Straßenbelag, 18% Gefälle und engen Kurven. Leider können die kleinen 10 Zoll Reifen von Andis Roller in einer Kurve nicht genug halt finden und führen zum Ausrutscher. Zum Glück sind wir in den Steilen Kehren in Schritt Tempo unterwegs und der Schaden begrenzt sich auf einem paar Kratzer am Moped und einen großen Schreck.

Riva del Garda

Gesamtstrecke: 192,99 km
Gesamtzeit: 6:32:13
Zeit in Bewegung: 4:57:38
Maximale Geschwindigkeit: 76,52 km/h
Schnellstes Tempo: 0:47 min/km
Höhenunterschied: 2097 m
Maximales Gefälle: 27 %

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Es wird flach

Die Po-Ebene hält nicht viel spannendes bereit. Einsame Straßen durch weitläufige Landschaft, dem ein oder anderen seltsamen Stopp beim indisch-amerikanischen Tankwart, oder beim Mittagstisch im Luxus-Cafe im absoluten Niemandsland, warum auch immer sich hier so etwas ansiedelt? Wir übernachten in Modena und besuchen am nächsten Tag, die weltweit einzigartige Privatsammlung von Maserati-Motorrädern. Die nette Frau lässt uns die Sammlung ihres Gatten erst anschauen als wir ihr erklären, das wir auf diesen Roller von München extra hier her gefahren sind! ;-) Also gut, wir dürfen rein und die Mopeds anschauen. Das Museum der alten Ferrari Werkstatt und das Museum in Maranello gehört natürlich zum Pflichtprogramm.

Modena

Gesamtstrecke: 118,46 km
Gesamtzeit: 3:36:53
Zeit in Bewegung: 3:00:44
Maximale Höhe: 208 m
Minimale Höhe: 4 m
Höhenunterschied: 649 m

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Der unbekannte Brenner Zwilling

Hinter Maranello gehts kurvenreich hinein in die Hügel Richtung Toskana. Wieder findet sich hier eine traumhaft saftige Landschaft, ohne jeglichen Verkehr. Die einzigen Autos die uns hin und wieder entgegen kommen oder überholen sind Maserati und Ferrari ohne Nummernschild. Es sind Testfahrer, die das nahe kurvige Hinterland nutzen. Versteht sich von selbst, dass in Italien diese National-Heiligtümer, hier machen dürfen was sie wollen. Es geht wieder erstaunlich bergauf. Hätte nicht gedacht, dass nach den Alpen noch einmal so ein Anstieg kommt. Nachdem wir an Skiliften vorbeifahren stellen wir fest, dass wir noch einmal genau so hoch wie am Brenner Pass gefahren sind. UND wir sind am Brenner Pass! Nein wir haben uns nicht verfahren, es gibt einen zweiten Brenner, Strada statale 12 dell’Abetone e del Brennero. Wir fahren noch eine Weile bergab und übernachten im 500 Seelendorf Pianosinatico, bekommen ein unglaubliches 9 Gänge Menü, von Nonna, und fallen nach der Weinverkostung zufrieden ins Bett.

“Pianosinatico”

Gesamtstrecke: 105,27 km
Durchschnittliche Geschwindigkeit in Bewegung: 33,86 km/h
Maximale Höhe: 1423 m
Minimale Höhe: 69 m
 

-> SLOW TO ROMA II (Etappe 6-9)

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